“Quäl dich du, Sau!” – Udo Böltz

Ein LinkedIn-Post von Wolfgang Jenewein

Vorgestern ging die Tour de France zu Ende!
Sicherlich der Sieger Jonas Vingegaard hat Grosses geleistet, aber mehr als die Gewinner fasziniert mich jeweils die Teamarbeit:

1. Der belgische Kreisel: Wenn sich eine kleine Ausreissergruppe von ca. 6 Fahrern bildet und sich einig ist, fahren sie diesen Kreisel. Dabei geben sich die Flüchtenden rotierend immer wieder gegenseitig Windschatten. Das hat mehrere Vorteile: Jeder der Fahrer kann sich entspannen, bevor er für sein Team im Wind wieder alles gibt. Die Gruppe kann ein viel höheres Tempo fahren, als wenn sie unorganisiert wäre. Und schliesslich gibt es einen motivationalen Effekt: Jeder der an der Spitze ist gibt sein absolut Bestes, denn keiner will, dass man unter seiner Führung zurückfällt.

Grosskonzerne haben auch oft das Problem, dass sie aufgrund ihrer Komplexität die bestehenden Kräfte nicht gewinnbringend einsetzen. Ein wenig wie das Peloton (Hauptfeld) bei der Tour, wenn es aufgrund der Vielzahl der Teams und unterschiedlichen Interessen es nicht schafft sich richtig zu formieren, gewinnen die Ausreisser (Start-ups) am Ende das Rennen.

2. Die Strategie: Das Teammanagement analysiert für jede Etappe aufs Neue die Wetterbedingungen, das Streckenprofil und die Leistungsfähigkeit der Fahrer. Jedes Team hat Sprinter, Kletterer, Zeitfahrer sowie Domestiken. Es geht darum das Team und die jeweiligen Rollen so zusammenzustellen, dass im wahrsten Sinne ein Rad ins andere greift. Der diesjährige Toursieger Jonas Vingegaard sagt: „Wir hatten jeden Tag einen Plan und haben den ausgeführt“.
Wir brauchen auch im Management weniger 3-Jahres-Strategien und mehr kurzfristige Taktiken welche der aktuellen Situation gerecht werden und die Stärken des Teams nutzen.

3. Die Domestiken: Ihnen kommt eine Schlüsselrolle bei jeder Tour zu. Sie stellen ihre persönlichen Ambitionen zurück und arbeiten unermüdlich. Sie übernehmen die Führung im Wind, holen Verpflegung für ihre Kollegen oder ziehen sie förmlich die Berge hinauf. Legendär in diesem Zusammenhang ist wie Udo Bölts seinen damaligen Kapitän Jan Ullrich in den Vogesen über 15 Kilometer lang den Berg hochschleppte. Es war dramatisch anzuschauen: Bölts hatte einen hochroten Kopf und schon eine Stunde lang über 500 Watt getreten um Ullrich zu unterstützen. Erst als er völlig ausgelaugt und am Ende seiner Kräfte war, fuhr er zur Seite und schrie seinem Chef die legendären Worte „Quäl dich, du Sau“ hinterher. Der Rest ist Geschichte: Ullrich verteidigte sein gelbes Trikot und gewann am Ende die Tour.


Das hat mich auch bei dieser Rundfahrt am meisten beeindruckt, wie sich Fahrer, die nicht im Rampenlicht standen für das Team aufgeopfert haben. Egal ob sie gestürzt sind, ob es 40 Grad im Schatten oder über 20% Steigung hatte, auf die Helfer war Verlass. So eine bedingungslose Hingabe für eine Sache für ein Team – das ist es was wir auch in unseren Unternehmen brauchen.

Habt ihr die Tour auch verfolgt? Was sind Eure Erkenntnisse?
Herzlichst Wolfgang

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