Traust Du Dich auch? Sind wir bereit für Verletzlichkeit im job?

Ein LinkedIn-Post von Wolfgang Jenewein

Dele Alli (27) ist einer der besten Fussballspieler Englands. Er spielte für sein Land die Europameisterschaft 2016 und die Weltmeisterschaft 2018. Er wurde im Januar 2017 zum besten Spieler Englands gewählt und erreichte mit Tottenham Hotspurs 2019 das Finale der Champions League.

Gestern ist er für mich aber zum echten Helden geworden. In einem herzzerreissenden Interview mit Garry Neville spricht er über seine tiefen Verletzungen und zeigt der Welt, wer er wirklich ist. Unter Tränen offenbart er, dass er als 6-Jähriger von einem Freund seiner alkoholsüchtigen Mutter sexuell missbraucht wurde, danach hat ihn die Mutter nach Afrika zum Vater geschickt, um Disziplin zu lernen. Er fühlte sich ausgestossen und unwohl. Mit 7 kam er zurück und begann zu rauchen. Mit 8 Jahren begann er mit Drogen zu dealen und mit 11 wurde er von einem Mann aus der Gegend an einer Brücke aufgehängt. Mit 12 wurde er schliesslich von einer grossartigen Familie adoptiert und konnte sich dank ihnen als Mensch und Fussballer entwickeln.

Er wurde erfolgreich und trotzdem waren da immer die Dämonen aus der Vergangenheit: «Ich bin jeden Tag aufgewacht und hab meinen Job gemacht, habe gelächelt und so getan, als ob ich glücklich bin. Aber innerlich habe ich den Kampf verloren… es sind Dinge in mir, die mich schwer verletzt haben. Ich habe gelacht und Witze gemacht, das war meine Verteidigung.» Er wollte nicht, dass die Presse oder irgendwer seine Verletzlichkeit gegen ihn verwendet. Er spielte eine Rolle und betäubte sich mit Alkohol und Unmengen an Schlaftabletten, die er auch tagsüber nahm. 
Seine Leistungen fielen ab und die Öffentlichkeit sah nur den Fussballer, der schlechter wurde auf Partys geht und Alkohol trinkt. Jose Mourinho nannte ihn öffentlich einen «verdammt faulen Kerl». Er sass häufig auf der Bank und es ging ihm immer schlechter bis er erkannte, dass es kein Zeichen von Schwäche ist sich Hilfe zu suchen. Schliesslich ging er für 6 Wochen in eine Klinik für Mental Health, um seine Traumata aufzuarbeiten. Gestern hat er sich nun entschieden das alles öffentlich zu machen. Nicht um Mitleid zu erhalten oder irgendjemand für seine Situation die Schuld zu geben. Nein, diesmal will er die Geschichte selbst erzählen und der Welt zeigen, wer sich hinter dem faulen «Party Boy» mit Schlaftablettensucht versteckt: Ein Mensch mit tiefen Verletzungen und Ängsten. Wir alle haben Traumata und Dinge, die uns emotional gefangen halten. Nur wenn wir ein Umfeld schaffen, in dem Menschen sich selbst offenbaren und dafür nicht verurteilt werden, erfahren wir echte Verbundenheit und Zugehörigkeit. Dele Alli sagt: «Ich liess keinen an mich ran. Aber jetzt weiss ich, wir müssen diese Dinge nicht allein machen… wir sind stärker zusammen.»

Was meint Ihr? Ist unsere Geschäftswelt schon bereit für so viel Verletzlichkeit? Oder spielen wir doch alle noch eine Rolle?

Herzlichst Euer
Wolfgang

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