Superkraft Verletzlichkeit

Ein LinkedIn-Post von Wolfgang Jenewein

Gleichmal vorab: Verletzlichkeit zu zeigen bedeutet nicht, dass wir jeden Tag im Büro weinen sollen oder all unsere Probleme teilen. Es bedeutet vielmehr, dass wir Courage über Komfort stellen, Verantwortung übernehmen und unser wahres Ich zeigen. Wer Verletzlichkeit so versteht, versteht auch, dass es ohne Verletzlichkeit keinen Fortschritt gibt. Sie ist die Wiege von Innovation, Liebe, Vertrauen und Zugehörigkeit.

Drei Beispiele:

1. Wenn wir eine neue Idee präsentieren:
Erst experimentieren wir, versuchen die Idee zu vertiefen und zu verfestigen. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, da müssen wir sie vorstellen. Das ist der Moment wo wir unsere ganze Persönlichkeit und Überzeugung reinlegen, wo wir riskieren, verletzt zu werden, weil die Menschen uns zurückweisen und sagen könnten „Grosser Mist“. Das tut weh. Aber nur wenn wir uns trauen die Idee zu teilen entsteht auch Fortschritt.

2. Wenn wir einen Fehler zugeben:
Erst versuchen wir den Fehler zu verstecken, ihn klein zu reden oder gar jemand anderen in die Schuhe zu schieben. Wenn wir und die Organisation aber daraus lernen wollen, müssen wir uns verletzlich zeigen und eingestehen: „Ich hab’s verbockt, es tut mir leid“. Nur wenn wir den Mut dafür aufbringen, können wir wachsen.

3. Wenn wir jemand Vertrauen:
Erst behalten wir persönliche Informationen für uns und wissen nicht ob und mit wem wir was teilen können. Wenn wir aber tiefe Beziehungen und echte Nähe aufbauen wollen, ist der Schlüssel dafür unsere Verletzlichkeit. Nur wenn wir den Mut haben persönliche Unsicherheiten oder eine schwere Krankheit unserem Umfeld anzuvertrauen, kann echte Verbundenheit entstehen.

Wie man an all den Beispielen erkennt, ist Verletzlichkeit eng mit Unsicherheit, Risiko und emotionaler Exponiertheit verbunden. Darum braucht es so viel Mut sie zu zeigen. Brené Brown schreibt: „Vulnerability is our most accurate measure for courage.”

Gleichzeitig benötigt es ein Umfeld, welches unsere Verletzlichkeit verdient. Nur wenn wir darauf vertrauen können, dass das Zeigen unseres wahren Ichs nicht gegen uns verwendet wird, werden wir unsere Schutzschilde ablegen.
Wahrscheinlich ist das der Grund warum die meisten Führungskräfte vor allem Stärke und Unverwundbarkeit ausstrahlen wollen und versuchen ihre Ängste und Unsicherheiten mit perfekten Plänen und Prozessen zu bekämpfen, anstatt offen und ehrlich die wahre Situation miteinander zu teilen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Verletzlichkeit die Superpower für unsere Organisationen ist und wir sie noch viel zu wenig nutzen. Ich glaube darin liegt auch ein Hauptgrund, warum unsere Transformationen nicht wirklich vorankommen. Wie sehr Ihr das?


Herzlichst Euer
Wolfgang

Abonnieren
Benachrichtigung von
0 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen

© , Jenewein AG