Cover des JNW Case "SV 07 Elversberg" (2026)

«Herausragen ist keine Frage der Grösse» – die Leadership-Studie zum Erfolg SV 07 Elversberg

Grosse Leistung braucht grosse Mittel. Auf dieser Annahme beruhen die meisten Budgetgespräche. Die SV 07 Elversberg hatte einen der kleinsten Etats der 2. Fussball-Bundesliga, verlor im Jahr vor dem Aufstieg fünf Schlüsselpersonen und spielt ab kommendem Freitag als kleinster Verein der Bundesliga-Geschichte in der Ersten Liga. Zwei Jahre Feldforschung zeigen, was diesen Verein trägt. Es lässt sich nicht kaufen, und es entscheidet auch in Unternehmen darüber, ob aus Ambition Leistung wird. Unser JNW Case dazu ist jetzt erschienen und steht hier zum Download bereit.

ein Beitrag von
Isabel Dingler und Dr. Oliver Böhm 

Über zwei Saisons hinweg begleiteten die beiden Leadership-Experten von JENEWEIN Management und Mitarbeitende der SV 07 Elversberg.
Das Ergebnis ihrer Forschungsarbeit veröffentlicht JENEWEIN zum Start der Bundesligasaison 2026/27.

Am Abend des 18. Mai 2026 stand vor dem Rathaus von Spiesen-Elversberg ein Gerüst. Das Gebäude hat keinen Balkon, für Abende wie diesen war nie einer gebaut. Fünftausend Menschen feierten den Aufstieg ihrer 13.000-Einwohner-Gemeinde in die Erste Bundesliga. Einen kleineren Bundesligisten gab es in der Geschichte der Liga nie.

Die letzten knapp zwei Jahre bis zum Sensationsausfstieg durften wir den Verein begleiten, mit Menschen sprechen, hinter die Kulissen blicken und der Frage nachgehen: Was macht diesen Verein so erfolgreich, obwohl die Voraussetzungen dafür scheinbar gegenteiliges versprechen?

«Elversberg beantwortet eine Frage, die in den meisten Organisationen offen bleibt: Was trägt uns, wenn das Budget die Antwort nicht liefert. Der Verein hat über Jahre in Menschen und Kultur investiert, lange bevor sich das in der Tabelle zeigte. Das ist die unbequeme Lektion, weil sie Geduld verlangt.»

Interview mit SVE-Cheftrainer Horst Steffen

Alle hatten diesen Klub abgeschrieben

Saison 2024/25: Elversberg spielt die beste Rückrunde der Liga und steht in der Relegation zur Ersten Bundesliga – der Aufstieg, von dem vorher niemand zu träumen wagte. Im Rückspiel gegen Heidenheim fällt das entscheidende Gegentor in der fünften Minute der Nachspielzeit. Gescheitert, in buchstäblich letzter Sekunde.

Was folgt, sieht nach Abschied aus. Der Cheftrainer wechselt nach Bremen, der Kapitän nach Augsburg, ein Vorstand nach Kaiserslautern; Leihspieler kehren zu ihren Stammvereinen zurück, zehn Spieler verlassen den Klub, später folgen Toptorjäger und Sportdirektor. Viele der Architekten des Erfolgs arbeiten heute in der Ersten Liga – nur eben woanders. Fachleute handelten die «Elv» als Abstiegskandidaten. Doch das Gegenteil passierte: Ein Jahr nach der Nachspielzeit von Heidenheim steigt Elversberg auf.

Für uns ist es einer der aufschlussreichsten Management-Fälle der letzten Jahre. Die Frage dahinter stellt sich in fast jeder Organisation – auch abseits des Profisports: Wie entsteht mit begrenzten Mitteln ein System, das Herausragendes leistet und nicht von Einzelpersonen abhängt?

Wir führten 21 Gespräche in zwei Jahren

Der jetzt erschienene JNW Case beruht auf einer ethnografischen Feldstudie, die wir 2024 begonnen haben. Im November 2024 führten wir eine erste Interviewrunde in der Geschäftsstelle, im Mai 2025 kehrten wir zurück und begleiteten den Verein an einem Heimspieltag vor Ort, vom Kabinentrakt bis zur Business Lounge.

In Summe entstanden 21 Tiefeninterviews: mit Präsident Dominik Holzer, den beiden Vorständen Marc Strauß und David Strauß, Sportdirektor Nils-Ole Book, Cheftrainer Horst Steffen und Kapitän Robin Fellhauer, dazu mit Mitarbeitenden, Fans und Business Partnern des Vereins.

Alle Gespräche wurden vollständig transkribiert und systematisch ausgewertet. Ein Muster wurde erst Teil der Studie, wenn es sich in mehreren Gesprächen unabhängig voneinander zeigte. Widersprüche und Spannungsfelder haben wir stehen lassen. Neun Forschungsboxen verbinden das Beobachtete mit dem Stand der Wissenschaft.

«Am meisten fiel uns die Selbstverständlichkeit auf. Niemand in Elversberg erklärt seine Kultur, die Leute leben sie einfach. Über die provisorischen Umkleiden in Baucontainern beschwerten sich die Spieler nicht. Im Gegenteil, sie sahen es als Vorteil. Gegner sind Komfort gewohnt, kommen in eine ungewohnte Umgebung und unterschätzen die SVE vielleicht gerade deshalb.»

Nils-Ole Book im Interview mit JENEWEIN

Drei Beispiele aus der  Studie

Statt zu fragen, was fehlt, fragte man in Elversberg, welche Stärke man besitzt, die kein anderer hat. Die Antwort sah zunächst wie ein Nachteil aus: Abgeschiedenheit. Genau daraus wurde ein Angebot an junge Spieler, die anderswo übersehen wurden: Stärken vor Defiziten.

In Elversberg leisten 39 Mitarbeitende, wofür andere Klubs deutlich grössere Geschäftsstellen beschäftigen. Möglich wird das durch radikale Priorisierung und die Bereitschaft, Dinge ersatzlos zu lassen: Weglassen vor Kürzen.

Fast zehn Jahre steckte der Verein in der Regionalliga fest, dreimal wurde der Aufstieg knapp verpasst. Trotzdem verlängerte die Vereinsführung Trainerverträge mitten in offenen Saisons vorzeitig. Die Lektion: Leistung ist planbar, Erfolg nicht.

Nils-Ole Book, bis März 2026 Sportdirektor bei der SVE, formulierte die Haltung dahinter so: «Ich glaube nicht an die grosse Wirksamkeit von Zielen. Wir wollen einfach jede Woche noch besser Fussball spielen. Und dann wird das passende Ergebnis auch irgendwann kommen.»

Case Study herunterladen

Wir senden Ihnen den JNW Case als PDF an Ihre E-Mail-Adresse.

Über die JNW Cases

Mit unseren «JNW Cases» spüren wir Orten nach, an denen Hochleistung entsteht. Häufig, bevor die breite Öffentlichkeit hinschaut, so wie in Elversberg. Es sind Geschichten und Einblicke aus erster Hand, erzählt und fundiert analysiert für alle, die einen positiven Unterschied machen wollen: in ihrer Führung, ihrem Team, ihrer Organisation.

Dahinter steht eine Überzeugung, die unser Team teilt: Die emotionale und psychologische Seite von Hochleistung entscheidet darüber, ob Zahlen, Prozesse und Sachlogik überhaupt greifen. Sie gibt Menschen den Antrieb und die Freude, über lange Phasen ihrer Karriere über das Mittelmass und über sich selbst hinauszuwachsen.

Unsere JNW Cases haben zudem den Anspruch, auch Impulse für den Transfer in Ihre eigene Führungsarbeit abzuleiten. In diesem Case erfahren Sie: 

Wie ein Erfolgssystem einen Aderlass übersteht. Warum Elversberg seine Prinzipien hielt, obwohl Trainer, Sportdirektor, Kapitän, Toptorjäger und Vorstand innerhalb eines Jahres gingen.

Neun Leadership Principles, die jede Beobachtung an Forschung anbinden, von Barneys ressourcenbasierter Theorie des Wettbewerbsvorteils bis zu Fredricksons Broaden-and-Build-Theorie.

Acht Reflexionsfragen mit Tool, jedes in 5 bis 10 Minuten anwendbar. Darunter das Druck-Audit, der Kalender-Check und die zwei Namen.

Originalzitate aus 21 Interviews. Wie Präsident, Vorstände, Sportdirektor, Trainer, Kapitän und Mitarbeitende dieselben Entscheidungen erleben und beschreiben.

JENEWEIN zu Gast in der Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde

Der komplette JNW Case steht Ihnen hier zum freien Download zur Verfügung. Wir hoffen, Sie finden Gefallen und auch persönlichen Nutzen an der Lektüre und freuen uns sehr über Ihre persönliche Meinung und Rückmeldung

Jeden Montag ein neuer Leadership-Impuls

Einblicke und Fallstudien wie diese sowie inspirierende praxisnahe Impulse für Ihren Führungsalltag versenden wir jeden Montag mit unserem «Moving Mindsets Monday» Newsletter.