People over Process.

Montag. Du wachst auf, schaust in deinen Kalender und sagst: „Heute nicht.“ Keine Krankmeldung, keine Erklärungspflicht. Einfach: Heute nicht. Die „Maybe-Days“ polarisieren – Tage, an denen Mitarbeitende spontan entscheiden können, nicht zu arbeiten.

Ein Konzept, das gerade stärker durch die Medien geht – zuletzt in einem Bericht von 20 Minuten über einen Unternehmer aus Thüringen, der seinem Team erlaubt:

„Kein Bock zu arbeiten? Dann bleib zu Hause.“

4 solcher Tage soll es im Jahr geben. Für viele klingt das nach Freiheit. Für andere nach Kontrollverlust.

Maybe-Days sind kein „Urlaubs-Add-on“. Sie sind ein Kulturtest. Vertrauen wir Menschen – oder nur Systemen? People over Process. Das sagt zum Beispiel auch Netflix.

Dort ersetzt ein einziger Satz ganze Regelwerke: „Act in Netflix’s best interest“.

Das ist deren Spesenregelung – sie besteht aus fünf Worten. Mehr nicht. Diese „(Almost) no rules rule“ ist kein Chaos. Sie ist ein Ausdruck von Selbstführung und Erwartung.

Kein Regelwerk. Kein Permissioning. Kein Micromanagement. Netflix vertraut darauf, dass Menschen mit den richtigen Informationen eigenverantwortlich die besten Entscheidungen treffen – für das Unternehmen und für sich selbst.

Die Forschung bestätigt die Vorgehensweise klar: Autonomie ist einer der stärksten Treiber von Motivation, Kreativität und Bindung. Aber: Nicht jede Organisation ist reif dafür. Nicht jedes Team kann damit umgehen. Nicht jede Führungskraft hat gelernt, Freiheit zu ermöglichen – ohne Verantwortung zu verlieren.

In dem Praxisbeispiel von dem Unternehmer “Rocco” aus Thüringen mit positiven Ergebnissen: weniger Krankheitstage und mehr Aufträge.

In einer Angstkultur werden Maybe-Days zur Flucht.

In einer Reife-Kultur werden sie zum Zeichen: Wir sehen den Menschen. Nicht nur die Rolle.

Die entscheidende Frage bei all diesen neuen Herangehensweisen ist nicht: „Funktionieren sie?“

Eher: Welche Kultur erlaubt, dass sie funktionieren?

Dieser Beitrag wurde von Melan Thuraiappah am 29.11.2025 auf LinkedIn veröffentlicht. Zum Original-Beitrag

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