Zoom, Botox, wirkung: Warum Führungskräfte ihr gesicht neu bewerten

Porträt von Wolfgang Jenewein

Immer mehr Männer unterziehen sich einer Schönheits-OP.

Gerade solche, die in exponierter Position im Management tätig sind.

Die NZZ schrieb dazu: «Etwas verschiebt sich in der Männerwelt. Sie spüren plötzlich den Druck, besser aussehen zu müssen. Während Frauen immer schon die wertenden Blicke auf ihrem Körper spürten, waren Männer lange Zeit immun gegen diese Art der Bewertung.»

Gemäss dem sog. «Beauty-Premium-Effekt» werden attraktive Menschen im beruflichen Kontext häufiger als kompetent, souverän und führungsstark wahrgenommen. Dieser Effekt ist real. Er wirkt leise, unbewusst und schnell. Dabei verfolgen Männer verschiedene Schönheitsideale wie bspw. volles Haar, kantige Kiefer, gerade Zähne, wenig Falten u. v. m. Das alles ist kein Problem, denn die Schönheitsindustrie bietet für all diese Zielsetzungen den passenden Eingriff an.

Als Grund für dieses neue Körperbewusstsein identifizieren Forscher die sog. «Zoom-Dysmorphia», wonach Menschen beginnen, ihr Gesicht so zu beurteilen, wie es eine verzerrte Kamera zeigt – nicht wie es andere im realen Leben wahrnehmen.

Die permanente Selbstbeobachtung in Videocalls verschiebt den Fokus von Leistung zu Aussehen. Ständig sieht man sich selbst in endlosen Teams-Calls und nimmt jede noch so kleine Falte oder Unreinheit im eigenen Gesicht als riesiges Problem wahr. Kleine Asymmetrien werden plötzlich als berufliches Risiko interpretiert. Ehrlich gesagt habe ich mich auch schon dabei ertappt, in langweiligen Online-Meetings mehr über mein Aussehen am Screen als über den Inhalt der Konversation nachzudenken.

Dabei besagt der sog. «Flashlight-Effekt», dass wir völlig überschätzen, wie viele Gedanken sich andere über unser Aussehen machen. Gerade wenn wir häufig in Videocalls exponiert sind, haben wir das Gefühl, ständig bewertet zu werden. Dabei ist es weniger unsere Unvollkommenheit als die Unsicherheit über den vermeintlichen Makel, die unsere Wirkung schwächt.

Manche reagieren darauf mit chirurgischer Optimierung. Das kann kurzfristig entlasten.

Studien zeigen: Die Zufriedenheit mit einzelnen Merkmalen steigt oft. Was jedoch häufig unverändert bleibt, ist das tieferliegende Selbstwertgefühl. Für einige beginnt hier ein Kreislauf: Nach der ersten Korrektur folgt die nächste.

Was ist also die Lösung? Am Ende ist es eine sehr persönliche Entscheidung, und es gibt kein richtig oder falsch. Ja, Schönheit kann Wirkung verstärken.
Aber sie ersetzt keine innere Arbeit. Nachhaltiger Erfolg entsteht dort, wo Menschen bereit sind, in sich zu investieren: in Weiterbildung, emotionale Reife und Entscheidungsfähigkeit. Ein geschärfter Geist trägt weiter als ein geglättetes Gesicht. Kompetenz altert langsamer als Attraktivität. Und Charakter wirkt auch dann, wenn der erste Eindruck verblasst.

Dieser Beitrag wurde von Wolfgang Jenewein am 20.01.2026 auf LinkedIn veröffentlicht.

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