Wo kein licht, da kein wachstum
Sehnt ihr euch in diesen Tagen auch nach mehr Licht und Positivity? Das ist menschlich, denn in schweren Zeiten suchen wir nach einem Leuchtturm, der uns Orientierung und Hoffnung gibt.
In der Biologie ist dieser Effekt seit Langem als «heliotropischer Effekt» bekannt:
Pflanzen wachsen zum Licht. Alle lebenden Systeme richten sich auf das aus, was Leben fördert, und wenden sich von dem ab, was Leben gefährdet. Wachstum folgt positiver Energie.
Dieses Muster ist uns auch im Privaten bekannt: Es ist ein schleichender Prozess und ganz subtil, aber mehr und mehr spürt man, dass die Person, mit der man zusammenlebt, einem mehr Energie nimmt als gibt. Und wie reagieren wir? Aus Nähe wird Distanz, aus Dialog wird Schweigen und aus Miteinander wird Separation. Weniger aus mangelnder Liebe, sondern aus Selbstschutz.
Dasselbe gilt auch in Organisationen. Diverse Studien belegen (u. a. Cameron), dass Individuen sich systematisch an Personen orientieren, die Energie geben (sog. Energizer), und solche meiden, die Energie ziehen (Energy-Sucker). Während Energizer die Motivation, Lernbereitschaft und Leistungsfähigkeit anderer steigern, führt die Interaktion mit den «Suckern» zu Stress, Rückzug und Leistungsabfall.
Mitarbeitende meiden Kolleg:innen, die kontrollieren, verunsichern oder emotional erschöpfen. Sie suchen jene auf, die Orientierung geben, zuhören, stärken. Netzwerke bilden sich nicht entlang von Organigrammen, sondern entlang von Energieflüssen.
Das erklärt auch, warum klassische Beförderungslogiken häufig scheitern: Exzellente Fachlichkeit ohne positive energetische Wirkung erzeugt kurzfristige Ergebnisse, aber langfristig Reibung und eine toxische Kultur.
Um die «Energizer» und «Sucker» im System zu identifizieren, gibt es eine einfache Frage: «Was passiert mit meiner Energie, wenn ich mit dieser Person interagiere?»
Und wenn ihr wissen wollt, wer die Top-Energizer in eurer Organisation sind, dann bittet einfach alle Mitarbeitenden darum, ihre Top 3 Energizer aufzulisten. Anschliessend zählt ihr die Nennungen und habt eure «Energie-Leuchttürme»! Könnte man genauso auch mit den «Suckern» machen – wäre aber politisch nicht korrekt 😉
Studien zeigen, dass die Position eines Menschen im informellen Energienetzwerk einer Organisation viermal reliabler für Performance ist als seine Position in der Hierarchie (Cross, Baker).
Es wird Zeit, dass wir den heliotropischen Effekt auch für unsere Organisationen nutzen. Als kleine Einstiegshilfe darum fünf praktische Tipps für euch:
- Beobachtet, zu wem Menschen gerne gehen.
- Achtet darauf, wessen Nähe in schwierigen Situationen gesucht wird.
- Befördert Energie und Wirkung – nicht Egos und Lautstärke.
- Baut Energienetzwerke, nicht nur Strukturen.
Und stellt euch regelmässig selbst die Frage: Bin ich für mein Umfeld Lichtquelle oder Schatten?
Denn Wachstum folgt Energie. In der Natur. In Beziehungen. In Organisationen.
Dieser Beitrag wurde von Wolfgang Jenewein am 27.01.2026 auf LinkedIn veröffentlicht.