Stop being a goldfish, start doing great things!
Kennt ihr schon die “Good Corporate Citizens”?
Das sind die Mitarbeitenden, deren Agenda ganz schnell voll ist. Pro Tag sechs Online-Meetings ist keine Seltenheit, und ehe man sich versieht, sitzt man „back to back“ in Sitzungen und denkt sich, wer und vor allem wieso hat man mich zu diesem Austausch eingeladen?
Ich nenne diese virtuellen Zusammentreffen mittlerweile „Goldfisch-Meetings“. Im Schnitt nehmen ca. sechs Personen an so einem Treffen teil. Zwei bis drei davon haben wirklich etwas beizutragen, die anderen drei bis vier sitzen meist unbeteiligt hinter ihrem Bildschirm, sagen wenig bis nichts und sehen vor ihrem selbstgewählten Hintergrund einfach nur gut aus. Eben, wie Goldfische in einem Aquarium.
Während dieser Sitzungen läuft im Hintergrund die Inbox voll. Ständig kommen neue Emails rein, die dringend beantwortet werden müssen. Man versucht also während des Goldfisch-Meetings pflichtbewusst der Flut an Emails, WhatsApps und SMS Herr zu werden.
Schliesslich werden obendrein immer wieder neue Projekte in der Organisation gestartet. Ganz schnell können das mehrere Dutzend Corporate-Initiativen sein. Jede einzelne für sich genommen sinnvoll, nur im Kontext aller bestehender Projekte und für die jeweilige Abteilung oft nutzlos oder gar kontraproduktiv. Das kann die Reorganisation der Reorganisation sein oder die Einführung der dritten IT-Plattform in zwei Jahren oder das nächste Kostensenkungsprogramm. Ich nenne das die „BS-Projekte“, jeder weiss, ist eigentlich Mist, aber niemand traut sich NEIN zu sagen.
Wer so arbeitet, ist loyal, verlässlich und gewissenhaft. Das ist in vielen Fällen auch hilfreich und besser als toxisches oder passives Verhalten. Die Gefahr ist aber, dass wir einer Illusion aufsitzen. Es genügt nämlich nicht, abzuarbeiten, was reinkommt. Wir brauchen Menschen, die weiter denken, die mutig neue Wege gehen und im Interesse der Organisation Grosses wagen.
Unsere Wirtschaft braucht keine good citizens, sondern Mitarbeitende, die in einem Goldfisch-Meeting den Mut haben zu sagen: „Ich glaube, ich bin fälschlicherweise eingeladen worden. Ich hab keine Zeit, ein Goldfisch zu sein. Seid mir nicht böse, aber ihr wisst ja, ich arbeite an dem grossen Ding für uns.“
Oder die im Zweifel auch mal aufstehen und dem Top-Management erklären: Dieses Projekt ist „BS“, das wird unsere Organisation überlasten!
Wir brauchen auch keine Inbox-Manager, die sich dadurch definieren, jede Mail zu beantworten, sondern echte Macher! Um solches Verhalten zu fördern, müssen auch die Anreize richtig gesetzt werden.
Es sollten nicht die befördert und belohnt werden, die brav alles abarbeiten, sondern die, die Grosses wagen, Verantwortung übernehmen und auch mal riskieren zu scheitern. Die bereit sind, die Extrameile zu gehen, die Fehler nicht als Gefahr, sondern als Chance für Wachstum sehen und voller Tatendrang die Zukunft der Unternehmen erschaffen!
Dieser Beitrag wurde von Wolfang Jenewein am 23.10.2025 auf LinkedIn veröffentlicht.