So zerstört man psychologische sicherheit in 17 minuten!

Antonín Kinský bei einem Fussballspiel mit einem anderen Spieler

In der 16. Minute beim Spiel Atlético Madrid gegen Tottenham passierte es: Ganz Europa konnte live im TV die Entwürdigung des erst 22-jährigen Torhüters Antonín Kinský durch seinen Trainer Igor Tudor verfolgen.

Ja, der junge Tscheche hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt und machte gleich zu Beginn der Partie zwei schreckliche Fehler, welche jeweils zu Gegentoren führten. Einmal ist er auf dem glatten Rasen ausgerutscht (er war nicht der Einzige) und einige Minuten später versuchte er einen Direktpass auf einen Mitspieler der ihm über den Span rutschte und beim Gegner landete. Ja, es sah laienhaft aus, und ja, es war richtig schlecht. Aber wir alle machen Fehler. Die Frage ist aber nicht ob wir welche machen, sondern vielmehr, wie wir selbst und unsere Chefs damit umgehen.

Tudor entschied sich für die Höchststrafe und nahm Kinský «in einem Akt totaler Erbarmungslosigkeit» (SZ) in der 17. Minute vom Platz. Dabei würdigte er ihn keines Blickes, nahm ihn auch nicht in den Arm oder munterte ihn sonst wie auf. Das gegnerische Publikum war es, das Empathie aufbrachte und ihm voller Mitgefühl bei seinem traurigen Abgang beklatschte.

Später erklärte Tudor seine Entscheidung mit den Worten: „Ich wollte ihn und das Team schützen.“ Die Experten fällten anschliessend ein anderes Urteil. So sagte die dänische Torwart Legende Peter Schmeichel: «Er hätte ihn mindestens bis zu Halbzeit behalten müssen. Er hat seine Karriere einfach gekillt.» Und Joe Hart, der frühere englische Nationaltorhüter sagte er sei: «zutiefst erschüttert was mit dem Jungen passiert ist» und weiter: «Wenn das Führung sein soll, bin ich sprachlos.»

Ja, Trainer tragen Verantwortung für das Ergebnis und müssen manchmal harte Entscheidungen im Interesse des gemeinsamen Ziels treffen. Aber mit dieser öffentlichen Absetzung hat Tudor sich und dem Team einen Bärendienst erwiesen:

Zum einen schädigt er damit das Selbstvertrauen seines Torhüters massiv. Nicht selten sind Spieler an solchen öffentlichen Demütigungen zerbrochen und haben in der Folge zu Depressionen oder Burn-out geführt.

Zum anderen sendet er mit diesem Führungsstil auch ein unmissverständliches Signal an die übrigen Spieler: «Wer Fehler macht, dem entziehe ich mein Vertrauen.»

Vertrauen und psychologische Sicherheit sind aber die Grundlage für Hochleistung. Es ist die wichtigste Aufgabe einer Führungskraft eine Kultur des Wachstums und Lernens aufzubauen. Das ist aber nur möglich wenn Menschen wissen, dass Fehler erlaubt sind. Ansonsten entsteht eine Kultur von Angst und wer Angst hat wird vorsichtig und wer vorsichtig ist, wird nie sein volles Potenzial entwickeln. Das gilt im Sport wie in Unternehmen.

Leistung und Verantwortung wächst nur dort wo Menschen sich sicher fühlen. Igor Tudor hat uns gezeigt wie schnell man unter Ergebnisdruck Empathie und die Verbindung zu seinem Team verlieren kann. Und wir alle wissen, er ist nicht der Einzige dem so etwas passiert.

Dieser Beitrag wurde von Wolfgang Jenewein am 13.03.2026 auf LinkedIn veröffentlicht.

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