Nutzt du den "Fresh start effect"?

Porträt von Wolfgang Jenewein.

Denkt ihr zum Jahresanfang auch oft über Ziele, Vorsätze und Absichten nach? Ich mach das jedes Jahr aufs Neue, aber ehrlich gesagt mit höchst unterschiedlichem Erfolg.

Oft startet man mit grossen Vorsätzen, aber nach ein paar Wochen kommt der Alltag zurück – und mit ihm die alten Muster.

Vor Kurzem las ich dann unseren eigenen «Moving Mindset»-Newsletter von meinem Kollegen Zani Sharifi und dachte mir: «Hätte ich das mal früher gelesen …».

Er beschreibt darin sehr treffend, auf was es ankommt: Vorsätze zum neuen Jahr sind grundsätzlich nicht schlecht – denn sie haben das, was Psychologen den «Fresh Start Effect» nennen. Bestimmte Zeitpunkte im Kalender, der Jahresanfang oder ein Geburtstag, wirken wie mentale Neustarts.

Forscher nennen diese Zeitpunkte «Temporal Landmarks». Sie helfen uns dabei, unser bisheriges Verhalten von dem zu trennen, was wir in Zukunft anders machen wollen. Wir schaffen eine klare Trennung zu unserem «alten Ich». Frühere Fehler werden der Vergangenheit zugeschrieben. Das vermittelt uns das Gefühl eines Neuanfangs – und dass Veränderung möglich ist.

Ein weiterer Effekt ist, dass wir zu Jahresbeginn stärker auf das grosse Ganze schauen. Wir sind nicht mehr im Alltag gefangen, können eher reflektieren und uns auf das «Big Picture» fokussieren.

Der Jahresanfang ist also tatsächlich kein schlechter Moment für Veränderungen. Entscheidend ist jedoch auch, wie wir unsere Ziele formulieren.

Eine grosse Untersuchung aus dem Jahr 2020 begleitete über 1’000 Menschen mit Neujahrsvorsätzen.

Das Ergebnis: Menschen, die sich ergebnisorientierte Ziele setzten, waren deutlich erfolgreicher als jene mit Vermeidungszielen (Oscarsson et al., 2020, PLOS ONE).

Zum Beispiel: «Ich möchte mehr Sport treiben» funktioniert besser als «Ich will nicht mehr so faul sein».

Eine weitere Studie (Höchli, Brügger & Messner, 2020, Applied Psychology) legt nahe, dass neben dem «Wie» auch das «Warum» für die Zielsetzung entscheidend ist.


Es zeigte sich: Menschen investieren mehr Energie und bleiben eher dran, wenn sie zwei Fragen beantworten können:

1. Warum ist mir dieses Ziel wichtig?
2. Wie setze ich es konkret um?


Das «Warum» bezieht sich auf den Sinn, die persönliche Bedeutung. Das «Wie» beschreibt konkrete Schritte zur Umsetzung. Nur über den Sinn nachzudenken, reicht nicht. Nur Massnahmen festzulegen, auch nicht. Erst die Kombination erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein Ziel zu erreichen. Was lernen wir daraus?

Der Jahresanfang kann Motivation auslösen, ersetzt aber keine klare Zielsetzung. Ziele sollten positiv formuliert sein und eine Richtung vorgeben – nicht nur Verzicht verlangen. Ein Ziel wird greifbarer, wenn das «Warum» mit konkreten Schritten verbunden ist.

Dieser Beitrag wurde von Wolfgang Jenewein am 14.01.2026 auf LinkedIn veröffentlicht.

ZUM BEITRAG

© , Jenewein AG