Leaders eat at last!

Ein LinkedIn-Post von Wolfgang Jenewein

Habt ihr sie auch gesehen? Die letzte Pressekonferenz vor der WM von Gianni Infantino, dem FIFA-Präsidenten? Wie er sehr pathetisch sagte: „Heute fühle ich mich katarisch, heute fühle ich mich arabisch, heute fühle ich mich afrikanisch“ und nach einer bedeutungsschweren Pause hinzufügte: „Heute fühle ich mich schwul, heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Gastarbeiter.“

Diesem fulminanten Start folgte dann ein einstündiger Monolog, in dem er jegliche Schuld der FIFA oder etwaige Fehlentscheidungen kategorisch zurückwies und dann sogar noch gegen die westliche Welt austeilte in dem er sagte, für das was die Europäer die letzten 3000 Jahre getan haben, müssten sie sich noch die nächsten 3000 Jahre entschuldigen. Der Gipfel war erreicht als er meinte, er wisse, was es heisst diskriminiert zu werden, da er als Kind rote Haare und Sommersprossen hatte. Wie fühlt sich das wohl für Menschen an, welche in Katar für ihre Homosexualität verfolgt, und mit Gefängnis bestraft werden. Ein völliger Realitätsverlust.

Ich hatte mit vielem gerechnet aber nicht mit so einer selbstbetrunkenen und verwirrten Rede. Im besten Fall könnte man sagen, er wollte das Gastgeberland im guten Licht darstellen, die Spiele feiern und drüber hinwegsehen, was ist: Etwa die Menschenrechtsverletzungen, den Tod tausender Arbeitsmigranten oder die Repressionen gegen die LGBTQI+-Bewegung. Leider hat er mit dieser Rede aber weder der WM noch den Kataris einen Gefallen getan.

Auf der Homepage der FIFA steht unter der Rubrik „Was wir tun“: Die FIFA spielt in der Gesellschaft eine zentrale Rolle und ist zu guter Unternehmensführung verpflichtet, um ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden.
Ich hatte darum bis zuletzt gehofft, dass der FIFA-Boss seine Macht und Position nutzt, um Brücken zu bauen, einen Dialog ermöglicht und beruhigend auf die sowieso schon aufgeheizte Stimmung einwirkt. Ich hatte gehofft, dass er die Anfangs in seiner Rede zur Schau gestellte Selbstbeobachtung weniger dafür verwendet sein Ego zu zelebrieren, als eigene Fehler und solche der FIFA einzugestehen. Ich hatte gehofft, dass er die berechtigten Fragen der Kritiker endlich ernst nimmt und mehr moderierend und weniger dozierend auftritt. Ich hatte gehofft, dass er auch einmal kritisch Verfehlungen der Gastgeber kommentiert und nicht alles mit Beschwichtigungen und fadenscheinigen Argumenten rechtfertigt.

Aber es ging ihm einmal mehr um seine eigenen Ziele und die monetären Interessen der FIFA. Bei den US Marines gibt es diese Regel „Leaders eat last“. Wahre Leader sind bereit etwas von sich für Andere aufzugeben: Ihre Zeit, ihre Energie, ihr Geld und wenn es wirklich darauf ankommt, sogar ihr Essen. Spätestens seit gestern wissen wir – Gianni Infantino und die FIFA essen immer zuerst!

Was hat der Auftritt von Gianni Infantino in Euch ausgelöst? Wie erlebt ihr all die Diskussionen um das Gastgeberland? Und habt ihr überhaupt noch Appetit auf die WM?

Herzlichst Wolfgang

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