Hüte dich vor Overplanning!
Kaum ist das Jahr auf der Zielgeraden, beginnen sie wieder – die Forecast-Runden. Budgets, Szenarien, Excel-Schlachten.
Und während ganze Teams versuchen, die Zukunft in Spalten und Zeilen zu pressen, verändert sie sich längst – schneller, als wir rechnen können. Wer kann heute noch mit Überzeugung sagen, wie sich Märkte entwickeln werden? Welche Preise, Lieferzeiten oder Kundenbedürfnisse in einem halben Jahr gelten?
Früher schien die Welt stabil genug, um darauf Antworten zu finden. Heute ist sie zu komplex, zu vernetzt, zu volatil.
Und dennoch halten viele Organisationen an ihren Planungsritualen fest. Vielleicht, weil es sich sicher anfühlt, Zahlen zu haben. Vielleicht, weil Kontrolle tröstet.
Doch seien wir ehrlich: Meist sind diese Zahlen schon veraltet, bevor sie präsentiert werden.
Wir leben in einer Zeit, in der sich die Spielregeln verändert haben. Ergebnisse lassen sich nicht mehr mit der Genauigkeit vorhersagen wie wir es gewohnt waren. Was gestern noch funktionierte, kann morgen schon ins Leere laufen. Die Annahmen, auf denen ganze Geschäftsmodelle aufgebaut wurden, zerfallen unter der Realität des Unbekannten.
Auch Prozesse geben keine Sicherheit mehr. Ein fehlendes Teil, eine politische Entscheidung, ein digitaler Angriff – und plötzlich ändern sich wieder die Variablen. Die Idee, man könne Komplexität mit Planung bezwingen, hat ausgedient.
Was bleibt also?
Kultur.
Wenn nichts mehr verlässlich ist, dann wird das Wie wichtiger als das Was.
Nicht mehr die exakte Planung ist entscheidend, sondern die Fähigkeit, gemeinsam zu reagieren, zu improvisieren, zu lernen.
Kultur ist das Rückgrat in einer Welt, die sich ständig verändert. Sie ist das Netz, das uns hält, wenn Zahlen bröckeln. Sie ist die Energie, die entsteht, wenn Teams sich vertrauen, offen streiten und gemeinsam nach Lösungen suchen.
Antifragilität – also die Fähigkeit, an Krisen zu wachsen – entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Beziehung. Nicht durch Forecasts, sondern durch Vertrauen.
Wer also in unsicheren Zeiten führen will, sollte weniger auf Tabellen und mehr auf Gespräche setzen. Weniger auf Zielabweichungen und mehr auf Sinnvermittlung. Weniger auf Planung – und mehr auf Haltung. Weniger auf Erwartungen erfüllen, mehr auf Höchstleistung.
Denn was wollen wir am Ende mehr: Dass unsere (angepassten) Erwartungen erfüllt werden – oder dass wir es zu Höchstleistung schaffen (und vielleicht sogar Erwartungen übertreffen)?
Dieser Beitrag wurde von Wolfang Jenewein am 20.11.2025 auf LinkedIn veröffentlicht.