High performance needs leaders who help others to flourish not languish

Wolfgang mit Hansi Flick auf der Tribüne am sprechen

Die SZ schrieb gestern nach einer PK des Bundestrainers Julian Nagelsmann im Titel:

„Das Gegenteil von Kompany“ und schreibt weiter:

„Er (Nagelsmann) unterzieht seinen Kader einer öffentlich General- und Einzelkritik als wäre er ein Sportreporter, der, wie Reporter so sind, das Haar in der Suppe sucht.“

Er lobte zwar den Torwart Baumann (“wird eine tolle WM spielen”) den Rechtsverteidiger Kimmich sowie die Innenverteidiger Tah (“sehr stabil”) und Schlotterbeck (“extrem wichtig”) aber ging dann sehr schnell auf die Schwächen der übrigen Spieler ein.

So sagte er z.B: Woltemade sei “normalerweise ein guter Spieler”, Füllkrug hat “zu wenig Quote”, die Rechtsverteidiger Backups für Kimmich sind “nicht top im Flow” und Said El Mala spielt im Moment nur 50% der Spiele, das ist zu wenig und liegt nicht am Trainer.

Man bekommt den Eindruck: Da ist eine Mannschaft, die irgendwie Ok ist. Aber nicht überzeugt.

Ja, konstruktive Kritik ist wichtig. Sie zeigt Entwicklungsmöglichkeit und gibt Orientierung. Aber Analysen allein machen Menschen nicht grösser. Im Gegenteil: Wenn Menschen primär hören, was sie nicht können, was sie falsch machen oder wo sie Defizite haben, dann entsteht ein Umfeld in dem Menschen schrumpfen.

Gute Führung heisst ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen aufblühen. In der Forschung spricht man vom „Pygmalion-Effekt“: Erwartungen beeinflussen Leistung. Behandle Menschen so wie sie sein können, nicht wie sie sind und sie werden wachsen. Wer spürt, dass ihm Entwicklung zugetraut wird, handelt mutiger. Wer auf Schwächen reduziert wird, wird vorsichtig und bleibt unter seinem Potenzial.

Vincent Kompany und Hansi Flick machen es anders als Nagelmsann. Sie kritisieren ihre Spieler nie öffentlich. Beim FC Bayern gehe die Stimmung aktuell „durch die Decke“ – berichten selbst Spieler, die seltener spielen. Kompanys Selbstverständnis: „My role is to love the players we have here.“

Auch bei Hansi Flick erlebe ich, wie wichtig ihm ein wachstumsorientiertes Umfeld ist. Die Presse nennt ihn in Barcelona liebevoll „Daddy“, der dem Team immer wieder zeigt, dass das Unmögliche möglich ist. So schafft er es, eine Bande von jungen Spielern zu Höchstleistung zu führen. Gerade junge Spieler wie Pau Cubarsì (18 Jahre), Marc Bernal (18 Jahre) Lamine Yamal (18 Jahre) blühen unter ihm auf, weil er nicht ständig darüber spricht, was sie noch besser machen müssen. Stattdessen achtet er darauf, wo sie ihre Superpower haben.

Positive Leadership heisst nicht, Schwächen zu ignorieren. Es heisst, sie so anzusprechen, dass Menschen daran wachsen können.

Es war nur ein Interview von Nagelsmann und es ist unfair daraus gleich eine Philosophie abzuleiten. Aber ich denke es ist ein schönes Beispiel, wie schnell wir alle im Sport wie in der Wirtschaft ins Fixieren und Kritisieren abdriften ohne zu merken, was das mit den Menschen und unserer Teamkultur macht. Darum: Stop Fixing, Start Activating!

Dieser Beitrag wurde von Wolfgang Jenewein am 04.03.2026 auf LinkedIn veröffentlicht.

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