frag nie dein kind: "was willst du einmal werden?"

Wolfgang mit seinen zwei Kindern, welche er auf den Schultern trägt, am baden.

Als Vater von drei kleinen Kindern (6, 9 und 12 Jahre) habe ich früher öfter mal die Frage gestellt: “Was willst du einmal werden, wenn du gross bist?”
Es kamen die Klassiker: “Fussballprofi”, “Tennisprofi” – oder meine Lieblingsantwort: “Professor, so wie du.”

Das hört ein Vater natürlich gern. Es zeigt, dass die Kinder Interessen und Ambitionen haben. Gleichzeitig vermutet man als Elternteil in solchen Aussagen gewisse Eignungen und Träume der Kinder – und versucht, sie in diese Richtung zu unterstützen.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich jedoch ins Zweifeln: Ist das überhaupt die richtige Frage? Was willst du einmal werden, wenn du gross bist?

Sendet sie nicht die falsche Botschaft? Sollten wir unseren Kindern nicht vielmehr beibringen, dass wir mehr sind als der Job, den wir ausüben?

Arbeit ist eine Tätigkeit – sie muss nicht unsere Identität bestimmen. Eine gesunde Entwicklung und ein gutes Selbstwertgefühl entstehen durch Charakter, nicht durch die Berufswahl.

Heute versuche ich, meinen Kindern vor allem ein starkes Fundament mitzugeben, und stelle vermehrt Fragen wie:

  • Was möchtest du für Spuren in der Welt hinterlassen?
  • Wie sollen deine Freunde dich später einmal beschreiben?
  • Und welches Gefühl willst du bei den Menschen hinterlassen, die mit dir gearbeitet haben?

Um ehrlich zu sein: Bisher bekomme ich darauf noch nicht viele Antworten. Sie schauen mich mit grossen Augen an – und denken über die Fragen nach. Immerhin, oder?

Dieser Beitrag wurde von Wolfgang Jenewein am 16.06.2025 auf LinkedIn veröffentlicht.

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