Einfluss und Variabilität von Operations- und Anästhesiezeiten auf die Gesamtoperationsdauer in der Herzchirurgie
Abstract des Artikels:
Die Verringerung der Variabilität bei zeitintensiven Aufgaben während herzchirurgischer Eingriffe könnte die gesamte Operationsdauer reduzieren, Kosten senken, die Arbeitsbelastung des medizinischen Personals verringern und den Patientenzugang verbessern. Der relative Beitrag und die Variabilität der durch den Chirurgen bzw. die Anästhesie kontrollierten Zeitabschnitte zur gesamten Operationszeit sind bislang unbekannt.
Es wurden 669 Patient:innen, die sich einer koronaren Bypassoperation (CABG) unterzogen, in die Studie eingeschlossen. Mithilfe einer linearen Regressionsanalyse wurden die angepassten Operations- und Anästhesiezeiten unter Berücksichtigung patienten- und prozedurbezogener Kovariaten geschätzt. Der primäre Endpunkt verglich die Gesamtzeiten der chirurgischen und anästhesiologischen Kontrolle, während der sekundäre Endpunkt die Variabilität dieser Zeiten zwischen den einzelnen Fachpersonen analysierte. Sensitivitätsanalysen bewerteten den relativen Einfluss der jeweiligen Chirurg:innen und Anästhesist:innen in den Modellen.
Die mediane chirurgische Kontrollzeit betrug 4,1 Stunden (Interquartilsbereich: 3,4–4,9 Stunden), während die medianen Anästhesiezeiten bei 1,0 Stunde lagen (Interquartilsbereich: 0,8–1,2 Stunden; p < 0,001). Die Variabilität der angepassten chirurgischen Zeiten zwischen Chirurg:innen (Spanne: 1,8 Stunden) war 3,5-mal größer als die der angepassten Anästhesiezeiten zwischen Anästhesist:innen (Spanne: 0,5 Stunden; p < 0,001). Die jeweilige Person (Chirurg:in oder Anästhesist:in) erklärte 50 % der Varianz in den Regressionsmodellen (p < 0,001).
Die Variabilität der chirurgischen Kontrollzeit ist signifikant größer als die der anästhesiologischen Zeit und steht in starkem Zusammenhang mit der individuellen Operateurin bzw. dem Operateur. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die chirurgische Zeitvariabilität ein attraktives Ziel zur Steigerung der operativen Effizienzdarstellt. Weitere Studien sind jedoch erforderlich, um personenbezogene und veränderbare Faktoren zu identifizieren, die zur Reduktion dieser Variabilität beitragen können.
Die Operationszeit hängt in der Herzchirurgie deutlich stärker von der individuellen Chirurgin bzw. dem Chirurgen ab als von der Anästhesie, wodurch die chirurgische Zeitvariabilität ein wichtiger Ansatzpunkt zur Verbesserung der Effizienz ist.
Dieser Artikel wurde unter der Mitarbeit von Dr. Melan Thuraiappah am 01.08.2025 veröffentlicht.