Die große Entfremdung!

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Die grosse Entfremdung!

Der ewige Performancedruck, die Konkurrenz, die immer näher rückt, und der Aktienkurs, der in den Keller rutscht. Das sind schwere Zeiten, in denen sich keine Führungskraft erlauben kann, nicht auf der Höhe zu sein. Wie ein Kapitän auf hoher See haben darum auch Manager jederzeit ein Reporting-Dashboard mit den wichtigsten Kennzahlen zur Hand. Auf einen Blick erkennt man bequem die Entwicklung aller KPIs und OKRs. Eine etwaige Schieflage wird vermeintlich sofort erkannt und das „Leck“, um im Bild zu bleiben, kann umgehend geschlossen werden.

Das ist die sogenannte Top-Management-Illusion?

Man sitzt in klimatisierten Konferenzräumen, weit weg vom „Maschinenraum“, weit weg vom Alltag der Mitarbeitenden und weit weg von Kundinnen und Kunden. Die Kennzahlen sind nämlich nur ein Teil der Wahrheit und unterliegen vielen Verzerrungen:

  1. Übermässige Vereinfachung: Kennzahlen reduzieren komplexe Realität auf einfache Zahlen. Häufig werden so wichtige Nuancen und qualitative Faktoren übersehen, die für das Verständnis der Situationen entscheidend wären.
  2. Fokus auf das Falsche: Schon die Auswahl von Kennzahlen führt dazu, dass andere relevante Aspekte ignoriert oder Zielkonflikte zu wenig berücksichtigt werden.
  3. Missinterpretation: Jede Kennzahl ist nur so gut wie der Input, der dafür eingegeben wird. „Garbage in – garbage out“.
  4. Fehlende Kontextualisierung: Kennzahlen ohne Kontext können irreführend sein. Eine blosse Zahl ohne Verständnis des Kontextes gleicht dem Fischen im Trüben!

Wir haben aber meist keine Zeit, das Erstellen der Kennzahlen zu hinterfragen oder den Kontext der Kennzahlen besser zu verstehen. Stattdessen werden auf Basis der aktuellen Situation die Kennzahlen noch enger getrackt und noch mehr Druck auf die Mitarbeitenden ausgeübt. Diese wiederum klagen über einen Mangel an Nähe des Managements und einen blinden Aktionismus.

Das Ergebnis ist die grosse Entfremdung zwischen Unternehmensleitung und Belegschaft.

Wer wirklich führen will, muss darum trotz – oder gerade wegen – des steigenden Drucks die Brücke, den Elfenbeinturm und das Dashboard verlassen und an die Basis gehen. Nicht um zu kontrollieren – sondern um zu verstehen. Nicht um zu bewerten – sondern um zuzuhören. Nicht um Status zu wahren – sondern um Vertrauen zu schaffen.

Warum zum Beispiel nicht mal selbst im Callcenter anrufen – anonym? Oder ein eigenes Produkt kaufen – ganz ohne Sonderbehandlung? Oder bei einem informellen Teamdinner dabei sein – nicht als Chef, sondern als Mensch und Kollege?

Wer sich so aus erster Hand ein Gefühl verschafft, was wirklich im Unternehmen und beim Kunden passiert, der hat nicht nur das Vertrauen in die Geschäftsleitung erhöht, sondern auch die Basis dafür geschaffen, die Kennzahlen richtig zu interpretieren und das Unternehmen sicher durch die raue See zu steuern.

Dieser Beitrag wurde von Wolfang Jenewein am 17.10.2025 auf LinkedIn veröffentlicht.

© , Jenewein AG