Der späte Leader

Ein LinkedIn-Post von Wolfgang Jenewein

Es war im März 2010, als ich Messi zum ersten Mal live spielen sah. Es war das CL Spiel FC Barcelona vs. VfB Stuttgart. Anfangs war ich noch VfB Fan, bis ich Messi spielen sah. Es war Fussball von einem anderen Stern und schon nach kurzer Zeit vergass ich meine Verbindung zu den Schwaben. Ich war einfach nur fasziniert von diesem damals erst 23-jährigen Spieler. Der Kicker schrieb: „Unglaublich über welche Fähigkeiten der Argentinier verfügt. Zwei Tore, ein Assist. Einfach Weltklasse. Note: 1,0.“

Seither verfolge ich seine Karriere und erfreue mich bis heute an seinem Spiel. Oft schleicht er minutenlang über den Platz nur um dann im richtigen Moment einen seiner Geniestreiche zu zeigen. Ronaldo macht(e) es mit Dynamik und Kraft, Messi mit Eleganz, Finesse und Technik. Er schafft mit einem einzigen Pass völlig neue Räume. Er findet auf engsten Raum Lösungen, wo andere nur Probleme sehen. Die meisten Spieler unserer Zeit erzeugen Wellengang – Messi erzeugt Brandung. „Wer Messi nicht liebt, der liebt den Fussball nicht“ Jorge Valdano.

Besonders beeindruckt hat er mich jedoch bei dieser WM. Bei früheren Turnieren hatte er immer wieder Aussetzer. Nicht so bei dieser WM. Messi hat von der Vorrunde bis ins Finale in jedem Spiel mindestens ein Tor erzielt. Am Ende waren es 7 und 2 Assists. Bei dieser WM hat er sich über den begnadeten Fussballer hinaus zum echten Leader entwickelt. Die NY Times schreibt sinngemäss: Es war Messi der nach der Niederlage gegen Saudi-Arabien im Teambus seine Kollegen fragte, ob sie einander wirklich vertrauen. Es war Messi der sich dem gesamten holländischen Trainerstab entgegenstellte als sie sich schon vorab als Sieger feierten. Es war Messi der Wout Weghorst nach einem jähzornigen Viertelfinale anschnauzte und mehr als je zuvor seine Gefühle zeigte. Florian Haupt (NZZ) schreibt: Viele Jahre fremdelten die Argentinier mit ihrem Superstar. Er sei so introvertiert und wenig emotional. Noch nie habe er einen Titel für sein Land gewonnen und für Viele war er der Unvollendete. Seit dem Gewinn der Copa Amerika im Juli 2021 hat sich das geändert. Seit diesem Tag fühlt er sich angekommen und die Argentinier lieben ihn seither, wie er ist. Nur wer sich geliebt fühlt, kann auch liebe geben. Ich glaube darin liegt der Schlüssel dieses Erfolges: Ein Messi der nicht nur als Fussballer, sondern auch als Leader überzeugte. Ein Messi, der sich verstanden fühlte und dadurch eine ganz andere Nähe zu seinen Fans, Mitspielern und den Trainern leben konnte. Ein Messi, der voll und ganz in seinem Team aufging und ein Team, das sich voll und ganz diesem nahbaren Leader hingeben konnte. 

Am Ende dieses wohl besten WM-Finales aller Zeiten und in der Reflexion von dem was Messi bei dieser WM geleistet hat, fühle ich mit Javier Cáceres der sinngemäss schrieb: Es war als wäre man dabei gewesen als Michelangelo den letzten Pinselstrich an der Sixtinischen Kapelle zog.

Wie habt Ihr das Finale erlebt? Und was sind Eure Lehren daraus? 

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