Der König ist tod, es lebe der König!

Ein LinkedIn-Post von Wolfgang Jenewein

Was für ein Match? Habt ihr es gestern auch gesehen, das Finale zwischen Carlos Alcaraz und Novak Djokovic? Ich war von beiden in vielerlei Hinsicht tief beeindruckt:

1. Die enorme Fitness! Weder extrem lange Ballwechsel, noch Sprints über den ganzen Platz, noch ein Match über knapp 5 Stunden, brachten die Athleten wirklich ausser Atem.
2. Die Mobilität! Vor allem Djokovic bewegt sich trotz seiner 36 Jahre immer noch wie eine Katze.
3. Die Präzision: Niemand spielt die Bälle im Welttennis so genau, wie die beiden Finalisten.

Was mich aber am meisten fasziniert hat, war nicht die Fitness, die Mobilität oder die Präzision, nein, es war das Schauspiel einer Wachablösung: Im ersten Satz konnte man förmlich den Respekt des 20-Jährigen vor dem 23-maligen Grand Slam Sieger spüren. Es dauerte nicht lange und schon hatte der Spanier den ersten Satz mit 6:1 verloren. Erst gegen Ende des zweiten Satzes legte sich die Nervosität bei «Carlitos». Er spielte befreit auf, ganz so als ob er sich vom Einfluss des «Platzhirschen» gelöst hätte. Vergessen all seine Titel und die Tatsache, dass der Serbe seit über 10 Jahren auf dem Centre Court in Wimbledon unbesiegt ist. Plötzlich konnte der Spanier seine komparativen Stärken zeigen: Seine Dynamik, seine Kraft, ebenso wie sein verschmitztes Lächeln und die jugendliche Unbekümmertheit.

Entsprechend gewann er auch die Sätze 2 und 3. Doch Djokovic gab sich nicht geschlagen und spielte seinerseits sein grosses Plus, seine mentale Stärke und die Erfahrung von 45 Grand Slam Finals aus. Obwohl die Zuschauer mehrheitlich gegen ihn waren, blieb er cool. Er nahm sich eine Auszeit, liess den Ball bei eigenen Aufschlag so lange prallen bis er mental für die nächste Rallye bereit war und brachte den Kontrahenten durch viele Tempowechsel immer wieder aus dem Rhythmus. So schaffte er es schliesslich den 4. Satz für sich zu entscheiden.
Die Experten waren sich einig, Djokovic würde jetzt auch den 5 Satz gewinnen. Aber es kam anders. Der 16 Jahre jüngere Alcaraz hat sich nicht mehr beeindrucken lassen. Plötzlich zeigte er mentale Stärke, hat sich emanzipiert von seinem Idol aus Kindheitstagen und spielte sich wie ein echter Champion zum historischen Sieg in Wimbledon.

Es war gestern auch ein Generationenduell und als über 50-Jähriger hab ich ein wenig mitgefühlt mit Djokovic, dem ewigen König. Aber das ist der Lauf der Dinge: «der König ist Tod, es lebe der König». Der junge Alcaraz hat der Welt gestern gezeigt wie man Respekt und Wertschätzung für die vorhergehende Generation zeigt, sich aber nicht beirren lässt und seine eigene Legacy startet. Und auch Djokovic hat Grösse gezeigt als er sagte, Alcaraz war der Bessere und werde eine grossartige Zukunft haben. Vielleicht ist das ja auch eine Metapher für die Zusammenarbeit und das Verständnis zwischen den Generationen in unseren Organisationen?


Was meint Ihr? Und was hat Euch an dem Spiel gestern fasziniert?

Herzlichst Euer
Wolfgang

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