Das Ronaldo-paradoxon: weltklasse spieler, schwächere teams?
Cristiano Ronaldo ist einer der besten Stürmer aller Zeiten. Das zeigen die Daten sehr eindrücklich. Individuell ist sein Beitrag unbestritten.
Für mich ist die spannendere Frage: Hat Cristiano Ronaldo einen positiven Einfluss auf die Teams, in denen er spielte?
Aus dieser Perspektive sieht die Sache anders aus.
Schaut man nämlich auf die Teamleistung – anhand von ClubElo-Ratings – zeigt sich ein Muster: Was auch immer Ronaldo einem Team an individueller Leistung gibt, nimmt er dem Team an kollektiver Leistung wieder weg.
Das ist das Ronaldo-Paradoxon.
Das war schon früh so. In seiner ersten Zeit bei Manchester United übernahmen andere Spieler die Defensivarbeit, die Ronaldo nicht leistete. Solange er vorne traf, funktionierte das. Wenn nicht, wurde das System fragil.
Auch viele Jahre später als er zu United zurückkehrte, folgte ein deutlicher Einbruch der Team-Performance – der stärkste seit Jahren. Ronaldo wurde Topscorer, gleichzeitig erzielte die Mannschaft deutlich weniger Tore.
Warum?
Das Kernproblem ist, dass sich die Teams ihm anpassen – nicht umgekehrt.
Die Offensive wurde zu stark auf ihn ausgerichtet. Über 20% aller Abschlüsse liefen über Ronaldo. Er forderte den Ball – unabhängig von seiner Position. Andere wurden zu Zulieferern. Rollen und Verantwortung verschoben sich. Er nahm einfach zu viel Raum ein.
Gleichzeitig war sein Defensiv-Beitrag minimal. Seine Pressingwerte gehörten zu den schwächsten der Liga. Nicht jedes Team kann das dauerhaft kompensieren.
Dasselbe Bild bei Juventus: weniger Teamtore, Ronaldo als Topscorer, ein überproportionaler Anteil an Abschlüssen, sinkende Teamdynamik. Trotz Titeln sank die kollektive Performance.
Sein Mitspieler Bonucci sagte einmal, dass Ronaldos Präsenz dazu führte, dass sich Spieler weniger verantwortlich fühlten. Man verliess sich darauf, dass er „es schon richten würde“.
Sogar bei Real Madrid gab es dieses Muster.
Das führt zu einer wichtigen Frage: Wie viele Einzelkämpfer kann ein Team verkraften, ohne an kollektiver Stärke zu verlieren?
Im Sport und im Business zählt die Teamleistung – nicht die Einzelperformance.
Viele Studien zeigen jedoch: In Teamsportarten können Starspieler die Gesamtleistung des Teams verbessern – FALLS sie sich koordiniert und unterstützend verhalten. Aber eine zu starke Konzentration auf einen Spieler führt häufig zu einer schwächeren Teamleistung (vgl. Harris, 2016).
Jack Welch, der frühere CEO von GE unterschied Menschen entlang zweier Dimensionen: Leistung und Werte.
Für ihn waren Werte wichtiger als Leistung. Ein Teamplayer mit mittlerer Performance war ihm lieber als ein Einzelkämpfer, der die richtigen Zahlen lieferte.
Warum?
Weil einsame Wölfe Teams schwächen. Sie nehmen zu viel Raum ein. Sie blockieren Entwicklung, senken Motivation – sodass die guten Leute gehen.
Dieser Beitrag wurde von Zani Sharifi am 13.12.2025 auf LinkedIn veröffentlicht.