DAS BESONDERE LIEGT IM EINFACHEN

Ein LinkedIn-Post von Wolfgang Jenewein

Habt ihr es auch gesehen? Das Champions-League-Finale letzten Samstag … Real Madrid gegen den Liverpool FC. Erwartungsgemäss legten die Reds los wie die Feuerwehr und setzten die Spanier von Beginn an unter Druck. Eine riesige Angriffswelle vorgetragen von Vollblut-Athleten, welche mit wie ohne Ball Spitzenleistungen in Sprint, Schnellkraft und Beweglichkeit vollführten.

Ich war überzeugt, es ist nur eine Frage der Zeit, dann werden die Engländer in Führung gehen. Denn das Prinzip des modernen Fussballs ist Druck: Raumdruck, Zeitdruck, Gegendruck. Ganz ähnlich wie derzeit in unserer Business-Welt. Vielerorts treffe ich Führungskräfte, die bei all dem Druck und ständig neuer Herausforderungen am verzweifeln sind und von einer «Firefighting»-Übung zur nächsten eilen.

Ständig ist man hinter der Welle oder die Welle bricht über uns zusammen. So wie es in der Anfangsphase Real Madrid erging. Ich erwartete minütlich das 1:0. Doch dann geschah etwas, was mich bis heute fasziniert. Toni Kroos übernahm die Regie, völlig unaufgeregt nahm er die Bälle in grösster Bedrängnis an und verteilte sie nach Belieben. Er beruhigte das Spiel wo nötig und machte es schnell wo möglich. Er nahm Liverpool die Wucht aus ihren Angriffen und war für seine Mitspieler eine ständige Anspielstation in der Not. Er spielte mehr Pässe als jeder andere und hatte mit 95% die höchste Passgenauigkeit. Er war Metronom und Motor zu gleich. Er konnte Wellengang und Brandung erzeugen. Wenn andere sprinteten, schlich er, wenn andere grätschten machte er eine Körpertäuschung und verschaffte sich so den nötigen Raum. Andere mögen Athleten sein – er ist, wie sein kongenialer Partner Luka Modric, ein Künstler und Stratege.

Seit Samstagabend weiss ich was er damit meinte. Gerade in diesen Tagen brauchen wir Menschen, welche unaufgeregt und souverän ihren Job machen. Die sich anbieten und einbringen, wenn es eng wird. Die nicht sich zelebrieren, sondern dem Spiel und der Mannschaft dienen. Die unaufdringlich präsent sind und mit plötzlichen Geistesblitzen immer wieder neue Möglichkeiten schaffen.

Seinen letzten Pass des Abends spielte Kroos dann noch beim Siegerinterview im ZDF. Der Reporter gönnte ihm nach seinem historischen fünften Champions League Sieg, nur eine Frage der Wertschätzung, um dann sofort mit zwei kritischen Fragen nachzulegen. Da war Toni Kroos plötzlich nicht mehr ganz so unaufgeregt, als er sinngemäß sagte: Man schafft einen historischen Triumph, gewinnt gegen Paris, Chelsea, Manchester City und Liverpool und wir Deutschen suchen immer noch das Haar in der Suppe. Das hat gesessen – bei mir zumindest kam auch dieser letzte „Pass“ von Kroos an!

Was meint ihr dazu? Denkt ihr nicht auch, dass wir eine zu grosse Defizitorientierung in unserer Gesellschaft haben? Und was habt ihr von dem Spiel gelernt? Brauchen wir nicht mehr von diesen «Quiet Leadern» die sich einbringen und anbieten?

Ich würde mich sehr über einen Kommentar von euch freuen!
Herzlichst Wolfgang

Abonnieren
Benachrichtigung von
0 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen

© , Jenewein AG