Arbeitest du noch oder schläfst du schon?

Ein LinkedIn-Post von Wolfgang Jenewein

Ich weiss, der Titel dieses Posts ist effekthascherisch. Aber es geht mir genau darum, aufmerksam für eine unserer wichtigsten Ressourcen als Mensch zu schaffen: Den Schlaf!

Ja, die meisten wissen, wie wertvoll guter Schlaf ist, aber handeln wir auch danach? Sind die Helden in unseren Organisationen nicht immer noch die, welche jeden Tag aufs Neue bis spät in die Nacht in ihren Büros vollen Einsatz zeigen, sich nach Mitternacht müde vom Pförtner verabschieden und am nächsten Morgen schon wieder um 7.00 Uhr am Arbeitsplatz sitzen?

Oder wird als vorbildlich gesehen, wer seinen Schlaf priorisiert und darauf achtet, dass er ausgeschlafen und energetisch zur Arbeit erscheint? Leider erlebe ich meist Ersteres, nach dem Motto: „Beim X brennt immer Licht, der arbeitet rund um die Uhr, manchmal schläft er sogar im Büro, wenn der so weiter macht, ist er bald Vorstand.“

Das ist bis heute ein ungeschriebenes Gesetz. Wer Erfolg haben will, muss an seine Leistungsgrenzen gehen, immer präsent sein und seine Bedürfnisse nach Schlaf hintenanstellen. In vielen vermeintlichen High-Performance-Organisationen wird Schlafmangel verharmlost oder sogar verherrlicht (Sleep Devaluation). Jeden Tag ist dieses Phänomen zu besichtigen. Ganze Heerscharen von Beratern, die jede Nacht irgendwelche Präsentationen bis weit nach Mitternacht zusammenschustern, Investmentbanker welche Nacht für Nacht den nächsten grossen Deal vorbereiten oder Politiker, welche in nächtelangen Verhandlungsmarathons die andere Partei niederringen. Wollen wir auch weiterhin unsere Entscheidungen auf diese „All Nighter“ stützen? Vielmehr sollten wir diese «Hustle Culture» hinterfragen und die empirischen Belege endlich ernst nehmen:

  1. Eine schlaflose Nacht resultiert in 11% verlangsamten Reaktionsfähigkeit, was der gesetzlichen Definition von Betrunkensein entspricht.
  2. Ausgeschlafene Teams entwickeln doppelt so viele Lösungen und Ideen wie Unausgeschlafene.
  3. Schlafmangel führt dazu, dass wir gereizter, weniger empathisch und negativer sind.
  4. Leader mit Schlafmangel haben eine erhöhte Gefahr für eine toxische Teamkultur und missbräuchliches Verhalten.
  5. Schlafmangel erhöht unser Risiko für Herzinfarkt, Diabetes und Schlaganfälle erheblich.

Die Datenlage ist eindeutig, aber leider gibt es einen grossen Unterschied zwischen dem „what Science knows and Business does“. Ich hoffe, dass ich mit meinem Post einen kleinen Beitrag dazu leisten konnte, diese Lücke zu schliessen. Wie schon Immanuel Kant sagte: „Drei Dinge helfen die Mühseligkeit des Lebens zu ertragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen“. Aber es gilt auch wer nicht schläft, kann weniger Lachen und verliert schneller die Hoffnung.

In diesem Sinne schlaft gut
Euer Wolfgang

Falls ihr wissen wollt wie man richtig schläft, in meinem Podcast Moving Mindsets findet ihr eine Episode mit dem Schlafforscher Albrecht Vorster. Und wie seht Ihr das? Ist es nicht Zeit diese «Hustle Culture» zu beenden und Schlaf in Organisationen zu priorisieren?

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