Die grössten Gegner sitzen in der eigenen Kabine

Die grössten Gegner sitzen in der eigenen Kabine

Alinghi, DFB-Team, SV Elversberg: Wolfgang Jenewein hat Teams an der Spitze begleitet. Seine Erkenntnis: Die gefährlichsten Gegner tragen das eigene Trikot. Wer sie sind und wie man sie vertreibt.

ein Beitrag von
Wolfgang Jenewein

Dieser Beitrag erschien
am 22. September 2026 auf LinkedIn.

 

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Über viele Jahre hatte ich die Ehre, mit einigen der besten Teams der Welt arbeiten zu dürfen: Alinghi, die deutsche Nationalmannschaft, der FC Barcelona oder auch der SV 07 Elversberg. Alinghi gewann 2003 den America’s Cup und verteidigte ihn 2007. Elversberg stieg aus der dritten Liga in die Bundesliga auf als kleinster Bundesligist aller Zeiten. Das DFB-Team wurde 2014 Weltmeister. Die Lehre daraus: Nach oben zu kommen ist unfassbar schwer. Oben zu bleiben ist noch schwerer.

Die grösste Lebenslüge

Alinghi verlor den Cup 2010 klar gegen BMW Oracle. Beim DFB ist seit 2014 jede WM ein Desaster: 2018 und 2022 Vorrunde, 2026 raus gegen Paraguay. Nach Niederlagen zeigen alle nach aussen: der Gegner, die neue Technologie, das Pech. Das ist die grösste Lebenslüge im Sport wie im Business. Die Gegner, die uns wirklich erledigen, spielen nicht beim Wettbewerber, nein, sie tragen unser eigenes Trikot. Sie heissen Bequemlichkeit und Egoismus.

Sie kommen als Belohnung

Sie kommen nicht als Feind. Sie kommen auch nicht über Nacht und das ist das Gemeine: Sie kommen als Belohnung.

Bequemlichkeit schleicht sich leise ein: Wir haben es doch geschafft. Wir sind doch die Besten, einmal weniger hinsehen, den Standard nur verwalten, die neue Technologie nicht richtig ernst nehmen. Und der Egoismus kommt getarnt in politischen Spielchen. Unterschwellig wird aber klar: Es geht vor allem um «mein Bereich, mein Bonus, meine Bühne».

Beides fühlt sich gut an, aber beides führt ins Verderben. Nicht mit einem Knall, sondern schleichend, bis einer mit halbem Budget und ganzem Hunger an uns vorbeizieht.

«Bequemlichkeit und Egoismus sind eine Frage der Haltung. Wie sie kamen, so kann man sie auch wieder vertreiben. Mindset ist entwickelbar.»

Unternehmen und Land fallen zurück

Genau das erleben wir in Deutschland: Unternehmen und Land fallen gemeinsam zurück. Wir waren Exportweltmeister und haben das Automobil erfunden. «Elektro wird sich schon nicht durchsetzen», «Die Ingenieurskunst trägt uns noch zwanzig Jahre», «Reformen im Land haben Zeit»: Das ist Bequemlichkeit, in der Vorstandsetage wie im Kanzleramt.

Dazu der Egoismus. Hier kämpft ein Bereich um Budget und Bonus, dort eine Partei um die nächste Wiederwahl. Silodenken ist Egoismus im Organigramm, Wahlkampfdenken ist Egoismus mit Parteibuch. Wenige bringen noch Opfer für das grosse Ganze. Und wer nicht mehr verzichtet, gewinnt langfristig auch nicht mehr.

Das Ergebnis: 691.500 Beschäftigte in der deutschen Autoindustrie, 42.300 weniger als vor einem Jahr, der niedrigste Stand seit Beginn der Erfassung 2005. Stillstand in der deutschen Politik! Parteien blockieren sich gegenseitig und Reformen bleiben aus.

Haltung ist entwickelbar

Die gute Nachricht: Das ist kein Schicksal. Bequemlichkeit und Egoismus sind eine Frage der Haltung. Wie sie kamen, so kann man sie auch wieder vertreiben. Mindset ist entwickelbar. Standards, die nach jedem Erfolg neu gesetzt und nicht verwaltet werden. Führungskräfte, die den feiern, der für das Team zurücksteckt, und nicht den Lautesten. Und Menschen, die lernen, jeden Titel als Startpunkt zu lesen, nicht als Ziel.

Jeden Montag ein neuer Leadership-Impuls

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